In der Frankfurter Allgemeinen
Zeitung vom 8. Jan. 2010 wurde das jüngste
Werk der beiden Tirschenreuther Architekten Brückner
und des Bärnauer Bildhauers Lankl ausführlich
gelobt. Gerne stellen wir den Text hier vor:
"Vor der Disco in die Kirche Seelenfänger
der diskreten Art: Die neugestaltete Kirche St. Klara
in Nürnberg
Die bedeutendsten mittelalterlichen Kirchen in Nürnberg
sind mit St. Lorenz und St. Sebald schnell hergezählt.
St. Klara, am Altstadteingang nächst dem populären
Neuen Museum gelegen, wird da leicht übersehen.
Dabei hat sich das kleine gotische Gotteshaus ohne
feste Gemeinde seit 1996 „anziehende Offenheit"
ins Programm geschrieben, will da sein für Passanten,
Touristen, Flaneure - und Ziellose. Pater Karl Kern,
der Seelsorger der offenen Kirche, sieht das so: „Die
Wahrheit ist das Ganze, da vergibt man sich als Christ
nichts, wenn man auch Menschen mit anderer oder gar
keiner Religionszugehörigkeit zu sich einlädt."
Im Großstadtgetriebe Nürnbergs, direkt
an der geschäftigen Königstraße und
einem benachbarten Kneipenviertel, hat Kern einen
Ort der Stille eingerichtet. Dass er Anziehungskraft
ausstrahlt, beweisen eine Million Euro an Spendengeldern,
die zusammenkamen, als vor einigen Jahren klar wurde,
dass St. Klara grundlegend saniert werden musste.
Seit vor gut einem Jahr die Sanierung und Neugestaltung
durch die Tirschenreuther Architekten Christian
und Peter Brückner und den Bärnauer Bildhauer
Herbert Lankl abgeschlossen wurde, besuchen
sogar Jugendliche am Samstagabend die neugestaltete
Anbetungskapelle, ehe sie nach 23 Uhr, wenn auch die
offene Kirche die Pforten schließt, im Szeneviertel
auf die Piste gehen.
Was sie und die übrigen Besucher sichtlich fasziniert,
ist die dem Kirchenschiff an der nördlichen Langseite
im fünfzehnten Jahrhundert hinzugefügte
Vorhalle. Die vormalige Pirckheimerkapelle, die St.
Klara zu Nürnbergs Einkaufsmeile hin öffnet,
wurde von den Architekten als eine moderne Anbetungsgrotte
für eine zentral aufgestellte spätmittelalterliche
Mondsichelmadonna inszeniert. Kraftvoll und organisch
schwingt sich die neue Auskleidung aus Glasbändern,
die mit graphitschwarz gefassten Eichenholzlagen abwechseln,
bis unter das Tonnengewölbe. Das Strahlen der
zahlreichen Kerzen, die Besucher vor der Madonna anzünden,
lässt mit seinem Plackern die frühchristlichen
Katakomben assoziieren.
Im Kirchenschiff weicht das Halbdunkel dem Licht und
vollendet in einem Kruzifix, was die Mondsichelmadonna
der Vorhalle mit ihrer Anmut und dem magischen neuen
Design verheißt. Hier erfolg ten Renovierung
und Neuausstattung bewusst arm, jedoch nicht ärmlich.
Konkreter: Pater Kern wünschte sich den Ort der
Stille reizarm. Die Architekten reagierten darauf
mit einen Raum der Konzentration für den Einzelnen,
der zugleich vielfältige Möglichkeiten der
konfessionellen wie interkonfessionellen Kommunio
anbietet: Der Boden wurde mit stumpf geschliffenem
Muschelkalk ausgelegt, die Wände mit Sandputz
geschlämmt, das Mobiliar und die Wendeltreppe
hinauf zur Empore aus gekalktem Eichenholz gefertigt.
Die Altäre sind aus Muschelkalk gesägt,
und den Butzenglasfenstern wurde ein weiches Transluzentglas
vorgehängt hell, hoch und still wirkt der Raum
unter der gekalkten Gewölbetonne.
Einzig die Bohrlochstruktur am Trauer-Altar, die Abfolge
von Vortrage-, Altar- und Apsis-Kreuzen, der thronartig
aus einem Block gearbeitete Volksaltar und der aus
Glasscheiben zu einem Würfel aufgeschichtete
Tabernakel am Kreuzaltar sprechen den Besucher als
Symbole von Leiden und Erlösung direkt an. Das
ist das, hier überzeugend moderne Gestalt gewordene,
gute Recht einer Kirche." RÜDIGER KLEIN
Quelle: FAZ vom 08. Jan. 2010, S. 32